Logo der Deutsch-Polnische Industrie- und Handelskammer
  • News

Blauer Wasserstoff unter Druck

Während Europa ambitionierte Klimaziele verfolgt, gerät ein zentrales Element der Energiewende ins Wanken: blauer Wasserstoff.

Blauer Wasserstoff
Canva

Ein aktueller Entwurf der EU-Kommission stellt die zukünftige Klassifizierung von auf Erdgas basierendem Wasserstoff infrage und damit auch Milliardeninvestitionen von Industrie und Energieversorgern. In einem dringlichen Schreiben an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen warnen der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sowie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) vor einem regulatorischen Kurs, der nach eigener Aussage den „Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft insgesamt“ gefährdet.

 

Industrielle Realitäten vs. regulatorische Ambitionen

 

Konkret geht es um den Entwurf eines delegierten Rechtsakts, mit dem die Kommission definieren will, unter welchen Bedingungen Wasserstoff als „kohlenstoffarm“ gelten darf. Die Hürde: Selbst bei fast vollständiger CO₂-Abscheidung erreicht blauer Wasserstoff nach aktuellem Stand nicht die geforderten Emissionsgrenzwerte. Gründe sind u. a. höhere Annahmen zu Methanemissionen bei der Erdgasförderung sowie verbleibende Emissionen im Carbon-Capture-Prozess. Damit könnte blauer Wasserstoff künftig nicht mehr als klimafreundlich gelten – mit weitreichenden Folgen: Unternehmen könnten ihn nicht auf ihre Klimabilanz anrechnen, Förderungen würden entfallen, Investitionen sich nicht mehr lohnen.

 

Wirtschaft fordert Realismus

 

In einem Schreiben an die EU-Kommission betonen BDEW und BDI, dass der erfolgreiche Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in Deutschland und Europa von realistischen, investitionsfreundlichen Rahmenbedingungen abhängt. Andernfalls drohe ein regulatorisch erzwungener Engpass mit gefährlichen Folgen: Projekte würden gestrichen, Lieferketten unterbrochen, Klimaziele verfehlt. Auch das Bundeswirtschaftsministerium zeigt sich kritisch. Man setze auf pragmatische Lösungen und fordert praktikable Standardwerte für Vorkettenemissionen.

 

Grüner Wasserstoff als Ziel – aber nicht als alleiniger Startpunkt

 

Klimaschützer plädieren für einen direkten Umstieg auf grünen Wasserstoff. Die Industrie jedoch warnt vor der Gefahr von „stranded investments“, sollte blauer Wasserstoff ausgeschlossen werden. Infrastruktur – etwa Pipelines – könne heute mit blauem und später mit grünem Wasserstoff betrieben werden. Die Frage bleibt: Wie viel Perfektion verträgt der Übergang zur Klimaneutralität – und wie viel Pragmatismus ist nötig, um ihn überhaupt möglich zu machen?

In den Kategorien:

Die neuesten Nachrichten lesen

Alle Neuigkeiten ansehen
  • Siemens Mobility baut seine Wartungsinfrastruktur in Polen aus
    Neuigkeiten

    Siemens Mobility baut seine Wartungsinfrastruktur in Polen aus

    Siemens Mobility stärkt seine Präsenz auf dem polnischen Markt. Der deutsche Hersteller von Schienenfahrzeugen wird in Gądki bei Posen das erste Lokomotiven-Servicezentrum in der Unternehmensgeschichte in Polen errichten. Die Investition im Wert von über 100 Mio. PLN (ca. 230 Mio. Euro) ist gleichzeitig das erste Greenfield-Projekt des Unternehmens in Polen und ein wichtiger Baustein für den Ausbau der Eisenbahn-Serviceinfrastruktur in Mittel- und Osteuropa.

  • Fitch-Prognose für Polen: bessere Aussichten für das Wirtschaftswachstum
    Neuigkeiten

    Fitch-Prognose für Polen: bessere Aussichten für das Wirtschaftswachstum

    Die Lage der öffentlichen Finanzen und die Ratingaussichten Polens werden von den Märkten aufmerksam beobachtet. Die jüngsten Prognosen von Fitch, einer der drei weltweit größten Ratingagenturen, deuten jedoch auf relativ günstige Wachstumsaussichten und stabile wirtschaftliche Fundamentaldaten hin, was darauf hindeutet, dass das Risiko der Verwirklichung pessimistischer Szenarien derzeit begrenzt ist.

  • Batteriesysteme: BMZ Battery Solutions setzt auf Schlesien
    Neuigkeiten

    Batteriesysteme: BMZ Battery Solutions setzt auf Schlesien

    Der deutsche Konzern BMZ Battery Solutions hat beschlossen, seine europäischen Produktionskapazitäten in Polen zu konzentrieren. Alle Produktionslinien aus dem Werk im mazedonischen Ilinden werden in das Werk von BMZ Poland in Gliwice verlegt.

Suchen Sie etwas Anderes?

In unserem Informationszentrum finden Sie aktuelle Neuigkeiten, Downloads, Videos, Podcasts...

Zum Info Hub