In Kürze wird der diesjährige Preisträger des Deutsch-Polnischen Wirtschaftspreises bekannt gegeben. Es ist bereits die sechste Ausgabe des renommiertesten Wettbewerbs für Unternehmen, die ihr Geschäft auf der Grundlage der deutsch-polnischen Zusammenarbeit aufbauen. Ausgezeichnet werden Unternehmen, die sich im vergangenen Jahr durch ihre Ergebnisse, ihre Innovationskraft, eine mutige Geschäftsvision oder ihr gesellschaftliches Engagement hervorgetan haben.
AHK Polen: Die letzten Jahrzehnte der deutsch-polnischen Wirtschaftskooperation sind eine echte Erfolgsgeschichte. Was zeichnet diese Zusammenarbeit Ihrer Meinung nach derzeit aus und wie hat sie sich in den letzten Jahren verändert?
Die Bedeutung der deutsch-polnischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit lässt sich am besten am Umfang des bilateralen Handels ablesen. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Hauptamtes (GUS) beliefen sich die polnischen Warenexporte nach Deutschland in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 auf 253 Mrd. PLN (ca. 58 Mrd. Euro), während die Importe aus Deutschland 182,6 Mrd. PLN (ca. 42 Mrd. Euro) betrugen. Deutschland – Polens wichtigster Exportpartner – machte mehr als ein Viertel der polnischen Exporte aus. Diese Zahlen zeigen, wie wichtig Polen und Deutschland als Wirtschaftspartner füreinander sind und welche großen Entwicklungsmöglichkeiten die Zusammenarbeit den Unternehmen auf beiden Seiten der Grenze bietet.
Aus Sicht von Bayer ist es ebenso wichtig, dass Polen eine immer größere Rolle bei der Entwicklung von Lösungen spielt, die von uns als internationaler Konzern genutzt werden. Unser Shared-Services-Center „Global Business Services“ in Danzig ist seit 2012 in Betrieb, der „Digital Hub“ in Warschau seit 2021. In beiden Einheiten sind Fachkräfte tätig, deren Wissen und Kompetenzen den Betrieb und die Entwicklung des Unternehmens auf zahlreichen Märkten unterstützen. Fachwissen, technologische Entwicklung und die Mitwirkung bei Projekten von internationaler Bedeutung spielen eine immer größere Rolle. Gerade in diesen Bereichen sehe ich große Chancen für die kommenden Jahre.
AHK Polen: Gibt es Bereiche oder Themen, in denen sich Deutschland und Polen besonders gut ergänzen?
S.B.: Ein gutes Beispiel sind digitale Technologien und deren Anwendung im Gesundheitswesen sowie in der Landwirtschaft. Polen verfügt über einen starken Pool an IT-Fachkräften sowie Absolventen naturwissenschaftlicher und technischer Studiengänge. Bei Bayer verbinden sich deren Fähigkeiten mit wissenschaftlichem Know-how, Branchenerfahrung und der internationalen Reichweite des Unternehmens.
So funktioniert der Bayer Digital Hub in Warschau, der alle drei Bereiche unseres Geschäfts unterstützt: Pharmaceuticals, Consumer Health und Crop Science. Kompetenzen in den Bereichen Datenanalyse oder künstliche Intelligenz finden hier konkrete Anwendung. Auf Unternehmensebene trägt KI dazu bei, die Suche nach neuen Medikamenten zu beschleunigen und klinische Studien zu optimieren, während sie Landwirten Informationen liefert, die sie bei Entscheidungen zum Anbau unterstützen.
Meine berufliche Erfahrung habe ich in verschiedenen Teilen der Welt gesammelt, unter anderem in Deutschland, Vietnam, China und Indien, und heute arbeite ich in Polen. Diese internationale Perspektive ermöglicht es mir, die Vielfalt der Kompetenzen zu schätzen, die die Teams aus den einzelnen Ländern in die globale Organisation einbringen. Am polnischen Team schätze ich besonders die Kombination aus technologischem Wissen, Eigeninitiative und Unternehmergeist. Unsere Experten zeichnen sich durch eine „Can-do“-Einstellung aus, schlagen pragmatische Lösungen vor und helfen dabei, neue Wege für die Geschäftsentwicklung zu ebnen. Das ist eine starke Grundlage, um ihnen immer mehr Aufgaben und Verantwortung zu übertragen.
AHK Polen: Aus Sicht der Firma Bayer Sp. z o.o., die seit Jahren aktiv die deutsch-polnischen Wirtschaftsbeziehungen mitgestaltet, welche waren die wichtigsten geschäftlichen Erfolge im vergangenen Jahr und was sind die wichtigsten Aufgaben für die kommende Zeit?
S.B.: Wir richten unsere Tätigkeit konsequent an unserer Mission „Health for All, Hunger for None“ aus. Wir unterstützen Patienten und Ärzte und bieten Lösungen für Landwirte an. All diese Aktivitäten verbindet ein übergeordnetes Ziel: die Verbesserung der Lebensqualität. Aus dieser Perspektive betrachten wir sowohl die Erfolge des vergangenen Jahres als auch die Prioritäten für die Zukunft. Wir wollen wissenschaftliche Erkenntnisse erfolgreich in Lösungen umsetzen, die den Bedürfnissen derer entsprechen, denen wir dienen.
Parallel dazu verändern wir die Art und Weise, wie wir das Unternehmen führen. Wir arbeiten nach einem dynamischen und sehr agilen Modell. „Dynamic Shared Ownership“ stärkt die Zusammenarbeit, die Eigeninitiative und die Verantwortung der Mitarbeiter für Entscheidungen und Ergebnisse. Das Ziel ist sehr einfach: wie ein Unternehmer handeln, Entscheidungen schneller treffen und Lösungen für Gesundheit und Landwirtschaft dort bereitzustellen, wo Landwirte und Patienten sie am dringendsten benötigen.
AHK Polen: Was möchten Sie Unternehmen mit auf den Weg geben, die derzeit eine Zusammenarbeit mit Firmen aus dem Nachbarland planen oder ihre Geschäftstätigkeit auf den benachbarten Markt ausweiten möchten und vielleicht erwägen, an der nächsten Ausgabe des Wettbewerbs teilzunehmen?
S.B.: Es lohnt sich, die Zusammenarbeit auf Vertrauen und Offenheit gegenüber dem Wissen der Partner aufzubauen. So lassen sich Chancen erkennen, die aus der Perspektive eines einzelnen Marktes möglicherweise weniger offensichtlich sind.
Die Erfahrungen von Bayer zeigen zudem, wie sehr vieles vom Engagement der Menschen und von den Rahmenbedingungen abhängt, die es ihnen ermöglichen, ihre eigenen Ideen umzusetzen. Deshalb legen wir so großen Wert auf Dialog, berufliche Weiterentwicklung, Respekt vor Vielfalt und Chancengleichheit. Unser Führungsmodell stärkt zudem die Eigenständigkeit der Teams und das Verantwortungsuebernahme für die Arbeitsergebnisse.
Eine wertvolle Inspirationsquelle sind die Preisträger und Finalisten des Deutsch-Polnischen Wirtschaftspreises. Sie vertreten verschiedene Branchen und Geschäftsmodelle, sind jedoch in der Lage, die Möglichkeiten beider Märkte für die Umsetzung gemeinsamer Projekte, die technologische Entwicklung oder die internationale Expansion zu nutzen. Ihre Erfolge belegen, dass die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Polen und Deutschland zunehmend eine gemeinsame Wertschöpfung bedeuten.