Logo der Deutsch-Polnische Industrie- und Handelskammer
  • News

Fitch-Prognose für Polen: bessere Aussichten für das Wirtschaftswachstum

Die Lage der öffentlichen Finanzen und die Ratingaussichten Polens werden von den Märkten aufmerksam beobachtet. Die jüngsten Prognosen von Fitch, einer der drei weltweit größten Ratingagenturen, deuten jedoch auf relativ günstige Wachstumsaussichten und stabile wirtschaftliche Fundamentaldaten hin, was darauf hindeutet, dass das Risiko der Verwirklichung pessimistischer Szenarien derzeit begrenzt ist.

Fitch-Prognose für Polen: bessere Aussichten für das Wirtschaftswachstum
Canva

Die Lage der öffentlichen Finanzen und die Ratingaussichten Polens werden von den Märkten aufmerksam beobachtet. Die jüngsten Prognosen von Fitch, einer der drei weltweit größten Ratingagenturen, deuten jedoch auf relativ günstige Wachstumsaussichten und stabile wirtschaftliche Fundamentaldaten hin, was darauf hindeutet, dass das Risiko der Verwirklichung pessimistischer Szenarien derzeit begrenzt ist. Dies ist eine positive Nachricht angesichts der jüngsten Herabstufung des langfristigen Ratings Polens durch die Ratingagentur Moody’s um eine Stufe – von A2 auf A3 –, wobei gleichzeitig der Ausblick von „negativ“ auf „stabil“ geändert wurde.

 

Die Agentur Fitch hat ihre Wachstumsprognose für Polen für das Jahr 2026 von 3,3 auf 3,5 Prozent angehoben. Nach den neuen Schätzungen wird das BIP im Jahr 2027 um 3 Prozent steigen, und ein Jahr später wird die Wachstumsrate bei 3,1 Prozent liegen. Zu den optimistischeren Prognosen trugen sowohl die soliden Ergebnisse der polnischen Wirtschaft im zweiten Quartal als auch die allmähliche Verbesserung der wirtschaftlichen Aussichten in Deutschland und der Eurozone bei. Dies ist von besonderer Bedeutung für Polen, dessen Wirtschaftswachstum weitgehend durch den Export und die Handelsbeziehungen mit europäischen Partnern gestützt wird.

 

Investitionen sollen weiterhin der Wachstumsmotor bleiben. Fitch prognostiziert einen Anstieg um 6,2 Prozent im Jahr 2026, um 4,5 Prozent im Jahr 2027 und um 3,6 Prozent im Jahr 2028. Von besonderer Bedeutung sind dabei die eutropäischen Mittel aus dem  Wiederaufbauplan, deren Inanspruchnahme mit dem Näherrücken des Endtermins für die Umsetzung des Programms an Fahrt gewinnt. Mit dem Wegfall dieses Impulses wird eine allmähliche Verlangsamung des Investitionswachstums erwartet, was sich auch auf ein langsameres Wachstumstempo der Gesamtwirtschaft auswirken wird.

 

Auch der private Konsum bleibt eine wichtige Stütze der Wirtschaftstätigkeit. Fitch geht sowohl für 2026 als auch für 2027 von einem Wachstum von 3 Prozent aus. Die Verfügbarkeit von Krediten und der nach wie vor relativ starke Arbeitsmarkt wirken sich positiv darauf aus. Gleichzeitig gibt es Anzeichen für eine allmähliche Abkühlung der Konjunktur: Die Arbeitslosigkeit ist leicht gestiegen, die Beschäftigung ist leicht zurückgegangen und das Wachstum der Reallöhne hat sich verlangsamt.

 

Trotz der verbesserten Wirtschaftsprognosen bleibt die Lage der öffentlichen Finanzen die größte Herausforderung für Polen. Nach Ansicht von Fitch wird die Fiskalpolitik die Nachfrage weiterhin durch anhaltend hohe öffentliche Ausgaben stützen. Das bedeutet, dass der Prozess des Defizitabbaus und der Haushaltskonsolidierung möglicherweise auf die Zeit nach den für 2027 geplanten Parlamentswahlen verschoben wird.

 

Gleichzeitig rechnet die Agentur mit einem weiteren allmählichen Rückgang der Inflation. Den Prognosen zufolge wird sie Ende 2026 bei 3,7 Prozent liegen, 2027 auf 3 Prozent und 2028 auf 2,7 Prozent sinken. Fitch geht zudem von einem vorsichtigen Ansatz in der Geldpolitik aus. Bis Ende 2026 sollen die Zinssätze unverändert bleiben, während für 2027 lediglich eine Senkung um 0,25 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent prognostiziert wird. Als Gründe für diese Vorsicht nennt die Agentur unter anderem den jüngsten Anstieg der Inflation, geopolitische Spannungen im Nahen Osten sowie den anhaltenden Preisdruck im Dienstleistungssektor.

 

Für die kommenden Jahre rechnet Fitch zudem mit einer allmählichen Abwertung des Złoty. Den Prognosen zufolge soll der Dollarkurs von 3,72 Złoty Ende 2026 auf 3,78 Złoty im Jahr 2028 steigen. Dies wird vor allem durch die sich verringernden Zinsunterschiede zwischen Polen, der Eurozone und den Vereinigten Staaten sowie durch anhaltende Bedenken hinsichtlich der Lage der öffentlichen Finanzen beeinflusst.

 

Das Gesamtbild der polnischen Wirtschaft bleibt somit gemischt. Einerseits deuten höhere BIP-Wachstumsprognosen, eine starke Investitionstätigkeit und der erwartete Rückgang der Inflation auf solide Wachstumsgrundlagen hin. Andererseits führt das Fehlen klarer Maßnahmen zur raschen Haushaltskonsolidierung dazu, dass der Zustand der öffentlichen Finanzen weiterhin einer der entscheidenden Faktoren sein wird, die von Ratingagenturen und Investoren bewertet werden.

 

Quelle: Business Insider

 

 

In den Kategorien:

Suchen Sie etwas Anderes?

In unserem Informationszentrum finden Sie aktuelle Neuigkeiten, Downloads, Videos, Podcasts...

Zum Info Hub