Deutsches Kapital bleibt eine der wichtigsten Säulen ausländischer Investitionen in Polen. Nach den neuesten Daten der Polnischen Nationalbank (Narodowy Bank Polski, NBP) hat der Bestand deutscher Direktinvestitionen (FDI) in Polen im Jahr 2025 erstmals die Marke von 60 Milliarden Euro (256,3 Mrd. PLN) überschritten. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg von 9,4 Prozent. Deutschland behauptet damit seine Position als zweitgrößter ausländischer Investor in Polen, hinter den Niederlanden.
Der Umfang dieses Engagements verdeutlicht die bedeutende Rolle Polens in den Strategien deutscher Unternehmen. Das Land ist längst nicht mehr nur ein Produktionsstandort, sondern auch ein wichtiger Bestandteil europäischer Lieferketten sowie ein Beschaffungs-, Logistik- und Vertriebszentrum für zahlreiche Unternehmen, die den gesamten mittel- und osteuropäischen Raum bedienen.
Bemerkenswert ist auch die Struktur dieser Investitionen. Allein im vergangenen Jahr beließen deutsche Unternehmen 14,1 Mrd. PLN ihrer erwirtschafteten Gewinne in ihren polnischen Tochtergesellschaften. Dieses hohe Niveau an Reinvestitionen ist ein deutliches Zeichen des Vertrauens in den polnischen Markt. Unternehmen, die ihre erwirtschafteten Mittel für den weiteren Ausbau ihrer Aktivitäten in Polen einsetzen, senden damit ein klares Signal, dass sie das Land als langfristigen Wachstumsstandort betrachten.
Ebenso wichtig ist der direkte Charakter deutscher Investitionen in Polen. Die NBP weist darauf hin, dass deutsche Unternehmen im Gegensatz zu Investoren aus den Niederlanden oder Luxemburg, deren Kapital häufig über Zweckgesellschaften fließt, direkt in Polen investieren. Dies spiegelt einen tatsächlichen und physischen Kapitaltransfer in die polnische Wirtschaft wider.
Der größte Teil des ausländischen Kapitals fließt in das verarbeitende Gewerbe. Auf diesen Sektor entfallen Investitionen im Gesamtwert von 415,3 Mrd. PLN. Hier sind seit Jahren insbesondere deutsche Unternehmen aus der Automobil-, Maschinenbau-, Elektro- und Hausgeräteindustrie aktiv. Einen bedeutenden Anteil haben zudem Groß- und Einzelhandel sowie die Logistik, auf die Investitionen in Höhe von 192 Mrd. PLN entfallen. Der Ausbau der Verkehrs- und Lagerinfrastruktur stärkt Polens Rolle als regionales Drehkreuz, das nicht nur den heimischen Markt, sondern zunehmend auch die Nachbarländer bedient.
Zusätzlichen Rückenwind erhalten Investitionen in Polen seit einigen Jahren durch die Trends Nearshoring und De-Risking. Deutsche Unternehmen setzen verstärkt auf kürzere Lieferketten und verlagern Produktionskapazitäten näher an ihre Absatzmärkte in Westeuropa. Polen ist dabei aufgrund der Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte und seiner EU-Mitgliedschaft häufig die erste Wahl. Gleichzeitig entwickelt sich das Land zunehmend zu einem Standort für anspruchsvolle Produktion, Business Services, Forschung und Entwicklung sowie für regionale Management- und Steuerungsfunktionen.
Die Attraktivität Polens als Investitionsstandort wird auch durch die Einschätzung der Unternehmen selbst bestätigt. In der diesjährigen durch AHK Polen durchgeführten Konjunkturumfrage unter Investoren belegte Polen den zweiten Platz unter 14 Ländern Mittel- und Osteuropas hinsichtlich seiner Investitionsattraktivität. 94,5 Prozent der befragten Unternehmen würden sich erneut für Polen als Investitionsstandort entscheiden.
Zu den wichtigsten Standortvorteilen zählen aus Sicht der Investoren das Wachstums- und Entwicklungspotenzial der Wirtschaft (81,4 Prozent), das Engagement und die Qualifikation der Beschäftigten (80,4 Prozent), die geografische Nähe zu wichtigen Absatzmärkten (76,4 Prozent) sowie die Größe des Binnenmarktes (74,4 Prozent). Die Ergebnisse zeigen, dass Polens Wettbewerbsfähigkeit heute immer weniger allein auf Kostenfaktoren beruht, sondern zunehmend auf qualifizierten Fachkräften, einem großen Markt und seiner zentralen Lage in Europa.
Gleichzeitig weisen die Unternehmen auf Herausforderungen hin, die künftige Investitionsentscheidungen beeinflussen könnten. Am häufigsten genannt werden der drohende Fachkräftemangel infolge der demografischen Entwicklung, steigende Energiekosten sowie regulatorische Rahmenbedingungen.
Die aktuellen Daten bestätigen jedoch, dass Polen trotz dieser Herausforderungen weiterhin zu den wichtigsten Expansions- und Investitionszielen deutscher Unternehmen in Europa zählt.