Siemens Mobility stärkt seine Präsenz auf dem polnischen Markt. Der deutsche Hersteller von Schienenfahrzeugen wird in Gądki bei Posen das erste Lokomotiven-Servicezentrum in der Unternehmensgeschichte in Polen errichten. Die Investition im Wert von über 100 Mio. PLN (ca. 230 Mio. Euro) ist gleichzeitig das erste Greenfield-Projekt des Unternehmens in Polen und ein wichtiger Baustein für den Ausbau der Eisenbahn-Serviceinfrastruktur in Mittel- und Osteuropa.
Das Unternehmen ist seit über 15 Jahren in Polen präsent. Es hat mehr als 150 Lokomotiven auf den polnischen Markt geliefert, darunter die beliebten Modelle Vectron und Husarz; Fahrzeuge des Unternehmens sind auch in der Warschauer U-Bahn im Einsatz. Nun tritt Siemens Mobility in die nächste Phase seiner Geschäftsentwicklung ein und investiert in eigene Wartungseinrichtungen.
Das neue Rail Service Center entsteht in Gądki, in der Gemeinde Kórnik bei Posen. Der Baubeginn ist für Ende 2026 geplant, die Inbetriebnahme der Anlage soll Ende 2027 erfolgen. Das Projekt wird mit Unterstützung der Selbstverwaltung der Woiwodschaft Großpolen, der Gemeinde Kórnik sowie der Stiftung „Zakłady Kórnickie“ realisiert.
Das Zentrum wird Lokomotiven warten, die nicht nur in Polen, sondern auch in anderen Ländern Mittel- und Osteuropas im Einsatz sind. Seine Aufgabe wird es sein, sowohl laufende Instandhaltungsarbeiten als auch komplexe Reparaturen und Modernisierungen durchzuführen. Das Leistungsspektrum umfasst unter anderem regelmäßige Inspektionen, die Wartung von Sicherheitssystemen, Unfallreparaturen, Generalüberholungen, Fahrzeugumbauten sowie mobile Wartungsdienste.
Was die Größe angeht, wird es eine der modernsten Anlagen dieser Art in der Region sein. Die 4.300 m² große Wartungshalle ermöglicht die gleichzeitige Wartung von sieben Lokomotiven. Im Rahmen des Projekts entstehen unter anderem etwa fünf Kilometer elektrifizierte Gleise, ein Testbereich und eine moderne Waschanlage. Im täglichen Betrieb wird zudem die Plattform Railigent X zum Einsatz kommen, die ein digitales Management der Instandhaltung von Schienenfahrzeugen ermöglicht. Das Unternehmen kündigt außerdem an, dass die Anlage CO₂-neutral betrieben werden soll.
Die neue Investition soll die Wartungskapazitäten von Siemens Mobility in Polen erheblich steigern. Derzeit umfasst das lokale Team des Unternehmens mehr als 60 Fachkräfte und wartet jährlich mehrere hundert Lokomotiven. Dank des neuen Zentrums werden diese Aktivitäten an einem Standort gebündelt, und das Leistungsspektrum kann erweitert werden. Die Anlage wird zudem Teil des europäischen Servicenetzwerks von Siemens Mobility, das über 130 Standorte in mehr als 30 Ländern umfasst.
Langfristig soll die Anlage bis zu 300 Fahrzeuge pro Jahr warten. Siemens geht dabei davon aus, dass die Anlage nicht nur der eigenen Lokomotivenflotte dienen wird. Das Unternehmen führt bereits Gespräche mit Verkehrsunternehmen und anderen Akteuren des Eisenbahnmarktes, um ihnen Wartungsdienstleistungen am neuen Standort anzubieten. Dies soll ausländischen Betreibern den Einstieg in den polnischen Markt erleichtern und die Verfügbarkeit spezialisierter technischer Einrichtungen in der Region verbessern.
Auch die Nutzer der Fahrzeuge werden davon profitieren. Dank der neuen Infrastruktur soll die Durchlaufzeit für umfassende Inspektionen von etwa sieben auf drei Wochen verkürzt werden. Dies bedeutet eine schnellere Wiederinbetriebnahme der Lokomotiven und eine höhere Verfügbarkeit des Fahrzeugparks für die Verkehrsunternehmen.
Die Investition ist Teil der umfassenderen Entwicklungspläne von Siemens Mobility in Polen. Das Unternehmen beteiligt sich aktiv an Diskussionen über die Zukunft des nationalen Eisenbahnmarktes, darunter an Projekten im Zusammenhang mit dem Zentralen Verkehrsknotenpunkt und der Hochgeschwindigkeitsbahn. Das Unternehmen betont zudem die Bedeutung der Zusammenarbeit mit lokalen Zulieferern und des Ausbaus von Servicekompetenzen für moderne Multisystem-Lokomotiven.
Der Bau des Zentrums in Gądki wird für Siemens Mobility ein strategischer Standort für die Betreuung des mittel- und osteuropäischen Marktes sein, und für Großpolen sowie die polnische Eisenbahnbranche eine Chance zur Entwicklung neuer Kompetenzen und Schaffung von Arbeitsplätzen.