Dies geht aus der DIHK-Konjunkturumfrage Frühsommer 2026 hervor. Geschäftslage, Investitionen und Beschäftigungsabsichten auf Langzeit-Tief. Unternehmen brauchen dringend strukturelle Entlastungen und Reformen.
Der Krieg im Nahen Osten erstickt die zu Jahresbeginn aufgekeimte Hoffnung auf konjunkturelle Erholung. Die globalen Auswirkungen der Krise treffen zusammen mit den seit Jahren ungelösten strukturellen Problemen am Wirtschaftsstandort Deutschland die heimischen Unternehmen mit voller Wucht. Das zeigt die Konjunkturumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) im Frühsommer 2026, welche die Stimmungslage von rund 23.000 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen abbildet. „Wir stecken in einer Doppelkrise“, erklärt DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov. „Zu den Strukturproblemen in Deutschland kommen die wirtschaftlichen Folgen des Krieges im Nahen Osten hinzu. Geschwächt durch drei Jahre Rezession und Stagnation fühlen sich viele an ihrer Belastungsgrenze. Anders als in früheren Krisen haben viele Betriebe kaum noch Reserven, um den Belastungen etwas entgegenzusetzen. Wir leben in Deutschland von der Substanz“.
Die Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage so negativ wie zuletzt in der Corona-Pandemie: Mehr als jedes vierte Unternehmen bezeichnet seine Lage als schlecht, nur 23 Prozent als gut. Besonders angespannt ist die Situation im Handel: Hier ist für 35 Prozent die Lage schlecht. Auch die Zukunftsaussichten der Unternehmen haben sich verdüstert: Ein Drittel rechnet in den kommenden zwölf Monaten mit schlechteren Geschäften – acht Prozentpunkte mehr als noch zu Jahresanfang. Nur 13 Prozent schauen noch optimistisch in die Zukunft. Die DIHK senkt aufgrund der schlechten Ergebnisse ihre Wachstumsprognose vom Jahresbeginn für 2026 von 1,0 Prozent auf 0,3 Prozent.
Schon vor der aktuellen Krise waren die Unternehmen durch hohe Arbeitskosten, Energiepreise, Bürokratie und Steuern stark belastet. Die zuletzt massiv gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise tragen stark zum Kostendruck in nahezu allen Wirtschaftszweigen bei. Entsprechend nennen 70 Prozent der Unternehmen als größtes Geschäftsrisiko Energie- und Rohstoff-preise (Jahresbeginn: 48 Prozent). Gleichzeitig bleiben die Top-Risiken vom Jahresanfang ebenfalls auf hohem Niveau: steigende Arbeitskosten (57 Prozent), schwache Inlandsnachfrage (56 Prozent) und unsichere wirtschaftliche Rahmenbedingungen (58 Prozent) sind sehr häufig genannte Risikofaktoren.
Der Nahost-Krieg versetzt auch der Weltkonjunktur einen Dämpfer und verschärft den internationalen Wettbewerb für deutsche Exporteure. Die Exportaussichten der Industrie, die zu Jahresbeginn noch Anlass zu vorsichtigem Optimismus gegeben hatten, geben keinen Grund zur Zuversicht mehr: Drei von zehn Betrieben rechnen mit zurückgehenden Ausfuhren, nur 19 Prozent erwarten steigende Exporte.
Die schlechte Stimmung drückt auch auf die Investitionen. Nur 22 Prozent der Unternehmen planen, ihre Investitionsbudgets zu steigern, mehr als ein Drittel muss sie hingegen reduzieren. Wenn Betriebe investieren, dann tun sie dies hauptsächlich, um Maschinen, Anlagen oder Ausrüstung zu ersetzen – mit 70 Prozent sind das so viele wie nie zuvor. Investitionen in die Ausweitung von Kapazitäten hingegen liegen auf einem Tief, das zuletzt während der Finanzkrise 2008/2009 gemessen wurde. Auch Produktinnovationen spielen bei den Investitionen nur noch eine untergeordnete Rolle.
Längst schlägt sich die schlechte Wirtschaftslage auch auf dem Arbeitsmarkt nieder. Knapp ein Viertel der befragten Betriebe plant Personal abzubauen, während nur jeder zehnte mehr Beschäftigte einstellen möchte – der niedrigste Wert seit der Corona-Pandemie.
Da Deutschlands Einfluss auf die geopolitischen Risiken begrenzt ist, sei es umso wichtiger, dass die Politik die Probleme hierzulande löse. Die Bundesregierung müsse jetzt schnellstens Energie- und Arbeitskosten sowie Steuern senken, Bürokratie und Berichtspflichten zurückfahren und Verfahren auf allen Ebenen beschleunigen. Auch die Umsetzung der bereits beschlossenen Unternehmenssteuerreform, der Stromsteuersenkung für alle und die Verabschiedung des Infrastruktur-Zu-kunftsgesetzes wären dringend notwendig.