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NRW-Wirtschaft stärkt Partnerschaft mit Polen

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Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen sehen wachsende Kooperationschancen mit Polen, vor allem auf den Gebieten der Energiewirtschaft und Verteidigung.

NRW-Wirtschaft stärkt Partnerschaft mit Polen
AHK Polen

Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen sehen wachsende Kooperationschancen mit Polen, vor allem auf den Gebieten der Energiewirtschaft und Verteidigung. Anlässlich des 4. Deutsch-Polnischen Unternehmensdialogs in Nordrhein-Westfalen trafen am 19. Februar 2026 in Essen über 140 Vertreter der bilateralen Wirtschaft zusammen, um Geschäftsmöglichkeiten zu diskutieren.

 

„In diesem Jahr werden in Polen die letzten Fördermittel aus dem EU-Wiederaufbaufonds vergeben“, sagt Lars Gutheil, Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer (AHK), die das Treffen gemeinsam mit der IHK Essen sowie der SIHK zu Hagen organisierte: „In der Folge werden bedeutende Infrastrukturprojekte angeschoben, die vor allem den Energiesektor Polens betreffen. Gerade Nordrhein-Westfalen verfügt als wichtigster deutscher Energiestandort über Kompetenzen, die jetzt in Polen beim Kohleausstieg und dem Ausbau eines modernen Energienetzes gefragt sind.“ Ebenso gibt kein europäisches Land bezogen auf das eigene Bruttoinlandsprodukt mehr Geld für Verteidigung aus als Polen. Allein im Rahmen des europäischen SAFE-Programms wird das Land in den kommenden Jahren rund 43,7 Mrd. Euro investieren. „Beide Seiten verfügen auf diesem Gebiet über Kompetenzen in innovativen optischen, laserbasierten, AI- und satellitengestützten Technologien sowie über erhebliches Fertigungspotenzial bei der Herstellung von Ausrüstung und industriellen Partnerschaften“, so Gutheil.

 

Polen zählt zu den dynamischsten Volkswirtschaften Europas. Für 2026 wird ein BIP-Wachstum von 3,7 % erwartet – deutlich über dem EU-Durchschnitt. Das Wachstum wird neben milliardenschwere Investitionen, etwa in Infrastruktur und Digitalisierung, auch durch eine stabile Nachfrage polnischer Konsumenten getragen. Daher sei das Potenzial einer engeren Kooperation in zahlreichen Industrien und Dienstleistungssektoren groß, betonte bei der Konferenz auch der polnische Generalkonsul in Köln, Marek Głuszko: „Der Ball liegt quasi auf dem Elfmeterpunkt. Es ist an der Zeit, ihn zu verwandeln.“

 

Auf dem Energiesektor gilt in beiden Ländern das Bedürfnis, Energiequellen zu diversifizieren und sich unabhängiger zu machen. „Der Schlüssel zu energetischer Resilienz liegt heute in der Synergie aus Eigenerzeugung, Kreislaufwirtschaft, Datensicherheit und Effizienz“, betonte Andreas Klesse, E.ON Energy Infrastructure Solutions. „Durch die gemeinsame Umsetzung dieser Lösungen optimieren wir nicht nur die Kosten, sondern garantieren vor allem die operative Stabilität in einer sich dynamisch verändernden Welt.”

 

Großes Potenzial liegt etwa auf den Feldern der Energiespeicherung und Batterietechnik. So baut Polen derzeit zahlreiche Großspeicher, für die technologische Partner gefragt sind. Unternehmen aus dem KMU-Sektor könnten dabei als spezialisierte Anbieter von Dienstleistungen, Komponenten und digitalen Lösungen diesen Markt mitgestalten, betonte Barbara Adamska, Präsidentin des polnischen Energiespeicherverbandes. Cybersicherheit, Lieferstabilität, lokale Inhalte – all dies werde immer häufiger eine Voraussetzung für die Teilnahme an Projekten. „Die Energiespeicherung ist die sich am schnellsten entwickelnde Technologie im Energiesektor. Unternehmen aus Polen und Deutschland können diese Chance gemeinsam nutzen, da es in einer Partnerschaft einfacher ist, auf dem internationalen Markt erfolgreich zu sein.“, so Adamska.

 

Gleichzeitig gewinnt der in der NRW traditionell starke Stahl- und Verteidigungssektor an Bedeutung, da Europa entschlossen ist, seine technologische und industrielle Souveränität im Sicherheitssektor zu stärken. „Die Zeit der Analysen ist vorbei. Wir müssen Kompetenzlücken ad hoc schließen, indem wir bewährte Lösungen nutzen, unabhängig von ihrer Herkunft“, so Robert Czajkowski, Executive Advisor der polnischen WB Group: „Das langfristige Ziel ist klar: ein starkes Verteidigungssystem für Europa, das auf einem modernen und effektiven Ökosystem basiert.“

 

Nordrhein-Westfalen und Polen sind seit Jahren enge Handelspartner. Die Handelsumsätze zwischen beiden sind nach der Corona-Pandemie systematisch gewachsen. Polen ist der fünftgrößte Abnehmer von Waren aus NRW, der Export des Bundeslandes nach Polen belief sich im Jahre 2024 auf 13,6 Mrd. Euro. Im selben Jahr wurden aus Polen Waren im Wert von 12,8 Mrd. Euro eingeführt, was dem Land den siebten Platz im Ranking Importpartner gesichert hat. Die Daten für die ersten elf Monate 2025 weisen auf ein Jahresergebnis auf ähnlichem Niveau hin. Unter den wichtigsten Gütern für den Außenhandel des Bundeslandes befinden sich chemische Erzeugnisse, Maschinen, Kraftfahrzeuge sowie elektronische und optische Erzeugnisse.

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