Am 23. April fand eine öffentliche Sitzung des Rechtsausschusses zum Thema „AI & Legal – Wo stehen wir und was erwartet uns?“ statt. Die wachsende Bedeutung der künstlichen Intelligenz für die Arbeit von Anwaltskanzleien und Rechtsabteilungen von Unternehmen stößt bei den Akteuren dieser Branche auf großes Interesse. Gastgeber der Veranstaltung war die Kanzlei JDP, und an der Podiumsdiskussion nahmen teil: Maximilian Serfling, GTM bei Legora, sowie Yannek Wloch – Director Legal Engineering bei Libra. An der Sitzung nahmen über 20 Teilnehmer teil, hauptsächlich Vertreter von Kanzleien und Rechtsabteilungen von Mitgliedsunternehmen.
Zu Beginn betonte der Vorsitzende des Ausschusses, Marcin Chomiuk, Partner bei der Kanzlei JDP, die strategische Bedeutung von KI für die Arbeit der Kanzlei, und Eliza Oknińska von der AHK wies darauf hin, dass KI bereits heute die Arbeitsweise von Juristen konkret verändert. Der Moderator Michał Pietrzyk von JDP eröffnete die Diskussion, indem er die Teilnehmer bat, die Bedeutung von KI für die Arbeit von Juristen einzuschätzen. Die Podiumsteilnehmer wiesen darauf hin, dass KI besonders bei sich wiederholenden Aufgaben und der Arbeit mit bestehenden Wissensdatenbanken nützlich ist und die Erstellung von ersten Dokumentenentwürfen unterstützt. Die Risikobewertung, Entscheidungen und die Verantwortung für die Strategie liegen jedoch weiterhin bei den Juristen.
In der Diskussion wurde betont, dass ein gut konfigurierter Zugriff eines einzelnen KI-Agenten auf eine präzise eingegrenzte Wissensdatenbank bessere Analyseergebnisse liefert als die parallele Arbeit mehrerer Agenten. Es wurde darauf hingewiesen, wie wichtig es aus Sicht des Berufsgeheimnisses ist, das Hosting in Europa zu belassen und keine Daten aus der EU zu exportieren. Zu den Herausforderungen bei der Umsetzung wurde die Notwendigkeit genannt, jüngere Juristen im Umgang mit KI-Ergebnissen zu schulen und bei den älteren Mitarbeitern Vertrauen aufzubauen, begleitet von guter interner Kommunikation und durchdachten Prozessen.
Im weiteren Verlauf der Diskussion prognostizierten die Diskussionsteilnehmer, dass KI es den Partnern ermöglichen werde, sich auf „High-Value“-Themen zu konzentrieren, und dass die Rechtsabteilungen mehr Arbeit bewältigen könnten, ohne die Mitarbeiterzahl zu erhöhen. Kanzleien werden häufiger mit einer von Mandanten mithilfe von KI durchgeführten Voranalyse konfrontiert sein, was die Fähigkeit erfordert, mit einem solchen Ansatz der Mandanten umzugehen. Im Hinblick auf den Wettbewerb wurde darauf hingewiesen, dass bei gleichberechtigtem Zugang zu Technologien der Wettbewerbsvorteil einer Kanzlei zunehmend auf dem „menschlichen Faktor“ und der Fähigkeit zur strategischen Nutzung von KI beruhen wird.
Wir danken der Kanzlei JDP für die Organisation des Treffens und die Einladung der Gäste in ihre Kanzlei.