PESA Bydgoszcz hat die Übernahme von 100 Prozent der Anteile am deutschen Straßenbahnhersteller HeiterBlick aus Leipzig abgeschlossen. Der Abschluss der bereits im Dezember 2025 vereinbarten Transaktion eröffnet dem Unternehmen aus Bydgoszcz den Zugang zum größten Straßenbahnmarkt Europas. Der erste Schritt nach Abschluss der Formalitäten war die Vorstellung der Entwicklungspläne. Die Geschäftsführung des polnischen Herstellers stellte eine Strategie vor, die die Grundlage für das gemeinsame Wachstum beider Unternehmen bilden soll. Sie soll nicht nur die Zukunft des Werks in Leipzig sichern, sondern auch einen der stärksten Akteure auf dem europäischen Straßenbahnmarkt schaffen.
Bei einem Treffen mit der Belegschaft in Leipzig am 1. Juli bekräftigte der Vorstand von PESA, dass eine Umstrukturierung oder Einschränkung der Geschäftstätigkeit der deutschen Gesellschaft nicht das Ziel sei. Ganz im Gegenteil: Das Werk soll ausgebaut und sein Potenzial genutzt werden, um eine starke Unternehmensgruppe aufzubauen, die auf den Bereich der Stadt- und Nahverkehrsfahrzeuge spezialisiert ist und die Erwartungen der Kunden auf allen europäischen Märkten erfüllt.
Synergie von Kompetenzen und Ressourcen
Ein zentraler Bestandteil der Strategie ist die Bündelung der Stärken beider Unternehmen. HeiterBlick bringt die Kenntnis des deutschen Marktes, langjährige Beziehungen zu lokalen Verkehrsbetrieben sowie Erfahrungen aus der Umsetzung von Aufträgen für Leipzig, Dortmund und Würzburg ein. PESA wiederum verfügt über eine große Produktionskapazität, moderne technologische Infrastruktur, Konstruktionskompetenzen sowie eine starke Kapitalausstattung.
Die ersten Monate der Zusammenarbeit haben bestätigt, dass sich beide Organisationen hervorragend ergänzen. Das Ergebnis soll eine Synergie der Kompetenzen, ein Erfahrungsaustausch zwischen den Teams sowie eine Stärkung der Wettbewerbsposition auf dem europäischen Markt sein. Die fusionierten Unternehmen wollen einen Hersteller schaffen, der in der Lage ist, moderne, umweltfreundliche, komfortable und sichere Straßenbahnen zu liefern, die den Bedürfnissen der Verkehrsbetriebe in ganz Europa entsprechen.
Ausbau der Produktion in Leipzig und Unterstützung aus Bydgoszcz
Eines der wichtigsten Ziele der Strategie ist die Aufrechterhaltung und der Ausbau der Produktionstätigkeit in Leipzig. PESA hat angekündigt, die Prozesse zu optimieren, um Ressourcen effizienter zu nutzen und die laufenden HeiterBlick-Aufträge termingerecht abzuwickeln. Zur Unterstützung des deutschen Werks wurde bereits mit der Produktion von Straßenbahnkarosserien für die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) in den Werken in Bydgoszcz begonnen. PESA nutzt damit seine eigene Erfahrung und Produktionskapazitäten, um die Abwicklung der Aufträge im HeiterBlick-Portfolio zu beschleunigen.
Die neuen Straßenbahnkonstruktionen sollen in Bydgoszcz unter Einsatz automatisierter Fertigungsprozesse, darunter Laser-Schweißroboter, hergestellt werden. Die Kombination der modernen Infrastruktur von PESA mit den lokalen Kompetenzen des Teams aus Leipzig soll zu einer höheren Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit des Angebots führen.
Aufrechterhaltung von Verträgen und weitere Expansion
In den letzten Monaten führte PESA auch Gespräche mit Kunden von HeiterBlick. Ziel war es, nicht nur die bestehenden Aufträge zu sichern, sondern auch die Verkehrsunternehmen davon zu überzeugen, Optionen auf weitere Fahrzeuglieferungen auszuüben. Das Unternehmen teilte mit, dass der vorgelegte Zeitplan für die Auftragsabwicklung sowie die Vision für die Entwicklung der Werke bei Kunden, Kommunen und Finanzinstituten auf positive Resonanz gestoßen seien. Dies betrifft unter anderem Projekte für Verkehrsbetriebe in Leipzig, Dortmund und Würzburg. Durch die Übernahme will PESA seine Präsenz auf dem deutschen Markt, der aus Sicht des Straßenbahnsegments der wichtigste Markt in Europa ist, deutlich schneller ausbauen.
Stärkere Position auf dem europäischen Markt
Das strategische Ziel des Zusammenschlusses ist der Aufbau eines starken europäischen Herstellers von Schienenfahrzeugen für den Nahverkehr. Die gebündelten Kompetenzen eröffnen zudem neue Möglichkeiten im Bereich der Modernisierung bestehender Straßenbahnen sowie der Entwicklung innovativer Technologien, darunter Projekte im Zusammenhang mit dem Wasserstoffantrieb.
Nach Ansicht der Geschäftsführung beider Unternehmen wird die Zusammenarbeit es ermöglichen, die Stärken eines strategischen Investors mit der Erfahrung eines lokalen Teams zu verbinden, das auf dem anspruchsvollen deutschen Markt tätig ist. Dies soll HeiterBlick eine stabile Grundlage für die weitere Geschäftstätigkeit sichern und PESA in die Lage versetzen, effektiver mit den größten europäischen Herstellern von Schienenfahrzeugen zu konkurrieren.
Die Übernahme des deutschen Unternehmens ist zugleich ein wichtiger Schritt für die internationale Expansion der polnischen Industrie. Für PESA bedeutet dies nicht nur eine Ausweitung des Geschäftsvolumens, sondern auch eine direkte Präsenz auf dem größten Straßenbahnmarkt Europas und eine Stärkung der Position im Bereich des städtischen Schienenverkehrs.
Heute beschäftigt PESA in Polen fast 4.000 Mitarbeiter, während HeiterBlick in Leipzig und Grunne über 200 Mitarbeiter zählt. PESA hat bisher fast 1.000 Straßenbahnen an über 20 Städte in Europa geliefert, darunter an die europäischen Hauptstädte Warschau, Kiew, Sofia und Tallinn. Die Straßenbahnen des Unternehmens aus Bydgoszcz befördern Fahrgäste in 12 von 14 polnischen Ballungsräumen, die über ein Straßenbahnnetz verfügen. HeiterBlick realisiert derzeit Projekte in Leipzig, Würzburg und Dortmund. Gemeinsam wollen beide Unternehmen ihr gebündeltes Potenzial nutzen, um sich als einer der Marktführer auf dem europäischen Straßenbahnmarkt zu etablieren.