Bei der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Digitalisierung und Industrie 4.0 sowie des Compliance-Ausschusses, die am 29. Juni 2026 stattfand, war Paweł Zegarow von NASK als Ehrengast zugegen und hielt einen Vortrag über die psychologischen Aspekte der Cybersicherheit. Im Mittelpunkt standen interne Bedrohungen (sogenannte Insider-Bedrohungen), die Analyse von Risikofaktoren sowie Möglichkeiten, die Widerstandsfähigkeit von Organisationen gegenüber modernen Cyberbedrohungen zu stärken.
Der Mensch bleibt das schwächste, aber auch wichtigste Glied in der Sicherheitskette
Der Referent wies darauf hin, dass sich Organisationen häufig auf den Schutz vor Angriffen von außen konzentrieren, während Bedrohungen durch Personen mit rechtmäßigem Zugriff auf Systeme und Daten ebenso bedeutend und oft wesentlich schwerer zu erkennen sind. Ein Insider kann nicht nur ein Mitarbeiter sein, sondern auch ein Auftragnehmer, Berater oder Geschäftspartner, der Zugriff auf die Ressourcen der Organisation hat.
Den angeführten Daten zufolge können die Folgen von Vorfällen, die von Personen innerhalb der Organisation verursacht werden, besonders schwerwiegend sein, da die Täter über Kenntnisse der Prozesse, Systeme und Sicherheitsmechanismen verfügen.
Die Psychologie der Cyberbedrohungen: Warum gehen Menschen Risiken ein?
Ein wesentlicher Teil des Vortrags war den psychologischen Mechanismen gewidmet, die die Sicherheit beeinflussen. Paweł Zegarow wies darauf hin, dass viele Sicherheitsverletzungen nicht auf böse Absicht zurückzuführen sind, sondern auf natürliche Eigenschaften des menschlichen Denkens. Von besonderer Bedeutung sind dabei kognitive Verzerrungen wie übermäßiger Optimismus, der zu der Überzeugung führt, dass Cyberangriffe „andere“ betreffen und nicht uns selbst. Eine solche Haltung führt dazu, dass Vorschriften ignoriert werden, die Risikowahrnehmung sinkt und übermäßiges Selbstvertrauen entsteht.
Die Psychologie der Cyberbedrohungen: Warum Menschen solche Handlungen begehen
Der Referent hob zudem die Bedeutung der sogenannten „dunklen Triade“ der Persönlichkeitsmerkmale hervor: Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus. Unter bestimmten Umständen können diese Merkmale die Anfälligkeit für Handlungen erhöhen, die einer Organisation schaden, insbesondere wenn auslösende Faktoren wie ein Gefühl der Ungerechtigkeit, ausbleibende Beförderungen, Konflikte mit Vorgesetzten oder persönliche Probleme auftreten.
Warnsignale, die man nicht ignorieren darf
In der Diskussion wurde betont, dass Warnsignale sehr oft von Kollegen oder Vorgesetzten wahrgenommen werden, jedoch vereinzelt auftreten und nicht angemessen analysiert werden. Zu den wichtigsten Risikoindikatoren zählen unter anderem:
- plötzliche Veränderungen im Verhalten und Lebensstil,
- zunehmende Frustration und Konflikte im Team,
- Rückzug aus dem Unternehmensalltag,
- Anzeichen von Burnout,
- plötzliches Interesse an Daten oder Ressourcen, die über den Aufgabenbereich hinausgehen,
- ungewöhnliche technische Aktivitäten wie Anmeldungen außerhalb der üblichen Arbeitszeiten oder erhöhter Datentransfer.
Nach Ansicht des Experten deutet ein einzelnes Signal in der Regel nicht auf eine Gefahr hin. Von entscheidender Bedeutung ist jedoch die Fähigkeit, Informationen aus verschiedenen Bereichen der Organisation miteinander zu verknüpfen
Die Widerstandsfähigkeit einer Organisation beginnt bei der Unternehmenskultur.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Präsentation war die Feststellung, dass Technologien, Überwachung und fortschrittliche Sicherheitssysteme zwar unverzichtbar sind, die Widerstandsfähigkeit einer Organisation letztendlich jedoch von den Menschen und der Unternehmenskultur abhängt.
Paweł Zegarow empfahl den Aufbau eines Umfelds, das auf Vertrauen, offener Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen Personalwesen, IT, Compliance und Sicherheit basiert. Besonders wichtig ist die Schaffung von Mechanismen, die eine frühzeitige Erkennung von Warnsignalen ermöglichen, ohne dabei eine Atmosphäre übermäßiger Kontrolle oder Überwachung zu schaffen.
In diesem Zusammenhang wurde auch auf die Notwendigkeit hingewiesen, multidisziplinäre Teams für interne Risiken einzurichten, die Informationen aus verschiedenen Geschäftsbereichen des Unternehmens analysieren und gemeinsam das Risikoniveau bewerten.
Cybersicherheit als Bestandteil der Unternehmensstrategie
Zusammenfassend betonte der Experte von NASK, dass Cybersicherheit immer deutlicher zu einem strategischen Bereich der Unternehmensführung wird. Die steigende Zahl von Bedrohungen, organisatorische Veränderungen, hybrides Arbeiten und die dynamische technologische Entwicklung erfordern nicht nur Investitionen in technische Tools, sondern auch eine konsequente Stärkung der Kompetenzen, des Bewusstseins und der psychischen Widerstandsfähigkeit der Mitarbeiter.
Die wichtigste Empfehlung für Unternehmen lautet: Wirksame Cybersicherheit beginnt bei den Menschen, und dauerhafte Widerstandsfähigkeit wird durch eine Unternehmenskultur geschaffen, die Verantwortung, Dialog und Vertrauen fördert.